Kunst & Kultur.

 

 

MALWERK – KATJA ZANDER

 

Ölmalerei von der Pike auf lernen

Spaß am Umgang mit Farbe, Pinsel und Leinwand

 

Einem Künstler bei der Arbeit über die Schulter schauen zu dürfen, ist schon etwas Besonderes. Noch spannender finden wir es, von ihm zu lernen. So wie in den Ölmalerei-Kursen, die Katja Zander, Bildende Künstlerin aus Siegburg, anbietet. Dazu hat sie nicht einen beliebigen Raum gewählt, sondern den Spiegelsaal im ehemaligen Hotel Felders in der Wilhelmstraße, das 1896 im Stil der Neo-Renaissance gebaut wurde und lange Zeit als erste Adresse in Siegburg galt. Das ist das Haus jetzt wieder, zumindest was Malkurse angeht. Einen davon haben wir besucht, um einen Eindruck zu gewinnen. 

 

Bei Katja Zander lernen die Teilnehmer, Anfänger und Fortgeschrittene, das Handwerk von Grund auf. Bestandteile der Kurse, die jeweils über ein halbes Jahr gehen und wöchentlich dienstags am Morgen und Nachmittag angeboten werden, sind verschiedene Techniken, Farblehre, Perspektive, Licht und Schatten sowie der Bildaufbau. Ganz wichtig ist es der „Kunstlehrerin“, zunächst bei jedem einzelnen Gruppenmitglied zu schauen, auf welcher Stufe es künstlerisch steht, um es individuell betreuen zu können. Daher hält sie die Kurse auch bewusst klein. Ein Einstieg ist übrigens jederzeit möglich. 

 

Was der einzelne Kursteilnehmer auf die Leinwand bringen möchte, ist allein ihm überlassen. Ob Portrait-, Landschaftsmalerei oder Stillleben, er entscheidet, Katja Zander steht beratend zur Seite, gibt Tipps und greift korrigierend ein. Fortgeschrittene unterstützt sie auch bei der Erarbeitung eines Konzepts für Ausstellungen oder sonstige Projekte. Darin kennt sie sich natürlich ebenfalls bestens aus. So wurde ihr unter anderem 2015 der Valentine Rothe Preis im Zuge der Kunstmesse im Frauenmuseum Bonn und im gleichen Jahr der Kunstpreis im Zuge der Ausstellung „Unterwegs“ verliehen. Außerdem hat sie ihre Arbeiten bei zahlreichen Gruppenausstellungen und Einzelausstellungen präsentiert. 

 

Wer jetzt Lust bekommen hat, sich künstlerisch auszutoben, der findet alle Infos unter www.katjazander.de,

ruft sie unter 0173 2976016 an oder kommt einfach mal vorbei,

dienstags von 9–12 Uhr und von 15–18 Uhr:

 

Wilhelmstraße 56

53721 Siegburg

 

 

 

 

v.r.Foto1+2: ® Jenny Bartsch
 

 

INTERVIEW MIT HANNA JANSEN

 

„Und wenn nur einer dich erkennt“

Hanna Jansen, über ihren im Januar 2018 erschienenen Roman


 

StV:  Sie haben lange in Siegburg gelebt und sich für Ihren neuen Roman von einem echten Siegburger Original, dem „Lottchen“, inspirieren lassen. Wie sind Ihre Bezüge zu Siegburg heute, nachdem Sie nun schon länger in der Eifel leben?

 

HJ: Meine Bezüge zu Siegburg sind nie ganz unterbrochen worden, weil zwei meiner Söhne noch in der Stadt leben. Und während der Arbeit an meinem Roman im letzten Jahr war ich häufiger zu Lesungen und Gesprächen in der Stadt. Dabei habe ich festgestellt, dass ich mich dort immer noch ein wenig heimisch fühle.

 

StV: Ganz kurz – um was oder wen geht es in Ihrem neuen Buch „Und wenn nur einer dich erkennt“?

 

HJ: Es geht um einen kleinwüchsigen Hermaphroditen, der sich in schwierigen und turbulenten Zeiten (1912-1945) behauptet und trotz aller Widrigkeiten, die sein Anderssein mit sich bringt, nie aufgibt.

 

StV: Das Siegburger „Lottchen“ wird bei Ihnen zum Friedchen, streng biografisch ist der Text also nicht. Was macht ihn belletristisch/zum Roman?

 

HJ: Die Handlung ist komplett frei erfunden, hat also mit dem Leben des echten Lottchens nicht viel gemein. Ich habe mich lediglich durch das Wenige, was ich darüber wusste, inspirieren lassen. Mich hat die Frage bewegt, wie ein Mensch unter seinen/ihren Voraussetzungen u.a. das Dritte Reich überlebt hat. Über das reale Lottchen habe ich recherchiert und eine Reihe von Anekdoten gehört, die zum Teil widersprüchliche Außenbetrachtungen widerspiegeln, ohne jedoch die wirkliche Person – Charlotte Bertram – erkennbar werden zu lassen. Es hat mich gereizt, die Lücken zu füllen, eine Lebensgeschichte, sowie einen Charakter zu kreieren, die es dem Leser ermöglicht, sich mit der Heldin/dem Helden des Romans zu identifizieren.

Die Stadtgeschichte mit einigen Eckdaten sowie die historischen Herausforderungen dieser Zeit sind Rahmen und zugleich Hintergrund der Romanhandlung.

 

StV: Wenn Sie die Botschaft des Buches mottohaft umschreiben sollten, würde das wie lauten?

 

HJ: Wir werden schicksalhaft ins Leben hineingeworfen und müssen auf alles, was uns von da an begegnet und widerfährt, unsere eigenen Antworten suchen und finden. So klingt es auch im letzten Satz des ersten Kapitels an: „Etwas lag über dem Tag der Menschwerdung von Elfriede Wolf, was ihr weiteres Leben bestimmen sollte, und das hatte sie sich nicht selbst ausgesucht.”

 

 

––––––––––– UNSER BUCHTIPP––––––––––––––

 

Hanna Jansen

„Und wenn nur einer dich erkennt“. Roman

Bernstein-Verlag, Gebrüder Remmel

Gebunden, fadengeheftet, 200 Seiten

ISBN 978-3-945426-33-3

16,80 €

 

 

 

 

 

 

KATHOLISCH-SOZIALES INSTITUT

 

Der Mensch immer im Fokus

KSI legt vielfältiges Jahresprogramm auf

 

Das Katholisch-Soziale Institut (KSI) ist in Siegburg angekommen – und mit offenen Armen empfangen worden. Nach einem Jahr, das hauptsächlich von Zurechtfinden und Einleben im neuen Haus, den Eröffnungsfeierlichkeiten im Mai 2017, sowie ersten Veranstaltungen geprägt war, hat das KSI zu Beginn des Jahres 2018 ein Programmheft herausgegeben, das passgenau für das Haus auf dem Michaelsberg entwickelt wurde. 

Herausragende Programmbereiche sind die Themen „Ethik und Gesellschaft“, „Kunst und Kultur“ sowie „Medien und Kommunikation“. Die Stadtverführer haben im Programm geblättert.

 

Ethik 

„Ethik geht nicht im Elfenbeinturm“, stellte Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki anlässlich der Eröffnung des KSI im letzten Jahr klar. Ethik habe ihren Platz immer mittendrin, inmitten all dessen, was Menschen tun. Vor diesem Hintergrund komme den Katholischen Akademien wie dem KSI mit ihrer Bildungsarbeit eine besondere Verantwortung zu. 

Diesen konkreten Auftrag des Kardinals hat sich das siebenköpfige pädagogische Team des KSI, das für die Programmplanungen zuständig ist, auf die Fahnen geschrieben. Auf dem Programm stehen zum Beispiel Akademieabende zu Menschenrechtsthemen, zur Identität und zum Thema „Ethik in Computerspielen“. Ein besonderer Höhepunkt für das „Barcamp Soziale Arbeit 2018“ wird das Thema „Den digitalen Wandel gestalten“ im Oktober sein. 

 

Kunst und Kultur

Im Bereich „Kunst und Kultur“ hat das Programmjahr bereits mit einem echten Höhepunkt begonnen: „Malerfürst“ Markus Lüpertz stellte sowohl im KSI als auch im Siegburger Stadtmuseum Grafiken und Skulpturen aus. 

Zudem kam er am 21. Januar zur Vernissage nach Siegburg und präsentierte sich als wahrer „Universalkünstler“, spielte mit seiner Jazz-Band „TTT“ und zeigte sich bei einer Lesung im Stadtmuseum von seiner poetischen Seite. Ein weiterer Höhepunkt wird wie im Vorjahr die „Kunstakademie im Sommer“ sein, in der die Teilnehmer sechs Tage mit namhaften Künstlern im KSI leben und arbeiten, von diesen lernen, sich mit ihnen auseinandersetzen und einen fachlichen Cross-over erfahren. 

 

Das „Medienkompetenzzentrum“ 

Das Medienkompetenzzentrum (MZ) im KSI setzt in Siegburg neue Akzente. Medien- und Kulturarbeit lauten die Schwerpunkte, die zukünftig die Programmatik und das Programm des MZ bestimmen. Digitalisierung ist das Stichwort, das beide Bereiche umklammert. Digitalisierung ist in der Medienarbeit schon lange der Leitbegriff, unter dem alle medialen Entwicklungen verstanden werden. 

Auch die neuen Fortbildungs- und Veranstaltungsangebote im Film- und Medienbereich greifen das auf und vermitteln Grundkenntnisse für diese neuen Techniken und Kanäle, schulen für die praktische Anwendung und setzen sich gleichzeitig aber auch kritisch mit den Entwicklungen auseinander. Dafür steht das neue Multimedia LAB mit modernster mobiler Technik zur Verfügung.

 

 

Kulturkommunikation

Neu ist das Thema Kulturkommunikation, das sowohl digitale Kommunikationsstrukturen als auch neue Kommunikationsformate anbietet. Kirche gehört zu den wichtigsten Trägern der Hochkultur und ist zentraler Teil der Alltags- und Landschaftskultur. Das MZ widmet sich dieser Kirchenkultur und macht die Kirchenlandschaft inm Rheinland mit neuen Angeboten kulturell und spirituell erlebbar und – im wahrsten Sinne – erfahrbar.  

Diese Angebote, die man als neue „Pilgerkultur“ bezeichnen kann, zielen darauf, Orte der Kirchenkultur, aber auch kirchliche Themen in einer neuen Form anzusprechen. Dazu stehen zwei Web-Portale zur Auswahl:  www.pfarr-rad.de erkundet und präsentiert Kirche und kirchliche Themen auf Radtouren, www.pilger-pfade.de bietet Pilgerrouten und Kirchenwanderungen und wird in Kürze eröffnet. Wir werden natürlich berichten. Parallel dazu wird eine Reihe von Touren und Exkursionen angeboten, auch mit spirituellem Charakter.

 

Hier geht´s zur Angebots- und Programmübersicht: www.tagen.erzbistum-koeln.de/ksi

 

KATHOLISCH-SOZIALES INSTITUT
Bergstraße 26

 

 

 

 

 

 

 

ENGELBERT HUMPERDINCK MUSIKSCHULE

 

Humperdinck hätte sicher seine Freude

An erster Stelle steht der Spaß am Musizieren

 

Die Musikschule ist das Kompetenzzentrum für musikalische Bildung und Erziehung und damit für lebenslange Beschäftigung mit Musik. Sie eröffnet ihren Schülern Möglichkeiten zum qualitätsvollen gemeinschaftlichen Musizieren in der Musikschule, in der allgemeinbildenden Schule, in der Familie und in Form des Laienmusizierens. Daher gibt es auch eine enge Kooperation mit Kindertagesstätten, Schulen und Seniorenzentren.

 

Aufgaben der Humperdinck-Musikschule sind die musikalische Grundbildung, die Breitenförderung, die Begabtenfindung und -förderung sowie die Vorbereitung besonders begabter Schüler auf ein Musikstudium. Besonders das Musizieren im Ensemble in Unter-, Mittel- und Oberstufe ist regelmäßiger Bestandteil der Ausbildung. Mit dem Bereich der Ensemble- und Ergänzungsfelder schlägt sie Brücken zu anderen Künsten und kulturellen Aktivitäten. Die Musikschule ist Mitglied im Verband deutscher Musikschulen (VdM), orientiert sich verbindlich an dessen Strukturplan und folgt damit bundesweiten Qualitätsstandards. Sie deckt alle Bereiche des Instrumental- und Vokalunterrichts ab und richtet sich mit ihrem Angebot an jede Altersgruppe. An unterschiedlichsten Orten der Stadt und der Umgebung finden zahlreiche Konzerte und Wettbewerbe von und für Jung und Alt statt.

Im pädagogischen Bereich hat die Musikschule ihre Zusammenarbeit mit allgemeinbildenden Schulen und Kindertagesstätten ausgebaut. Ihre Offensive, Musikschulunterricht auch dort anzubieten, ist eine Reaktion auf die zunehmende Tendenz, dass Kinder und Jugendliche immer länger an den schulischen Ganztag gebunden sind und ihnen so der nötige Freiraum für Musik im Privaten fehlt. 

 

Die Institution hat sich auch mit der im historischen Zeughaus angesiedelten Humperdinck-Musikwerkstatt sowie der Stiftung Engelbert Humperdinck Siegburg einen weit über die Region hinausgehenden Namen gemacht. Und zwar mit der Veröffentlichung von Notenerst- bzw. Neuausgaben nicht gedruckter oder nicht mehr erhältlicher Werke des in Siegburg geborenen Komponisten Engelbert Humperdinck (1854-1921) ebenso wie mit CD-Produktionen, die aus Projekten der Musikwerkstatt entstehen. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit besteht in der Förderung qualifizierter Nachwuchsmusiker und Komponisten durch die Vergabe von Stipendien und Auftragskompositionen sowie durch Uraufführungen zeitgenössischer Musik. Das Manuskriptarchiv des deutschen Tonkünstlerverbandes (DTKV) liegt seit 2006 komplett in der Musikwerkstatt vor. Das Archiv bietet allen Komponisten, die Mitglied im DTKV sind, die Möglichkeit, ihre Werke – sofern sie nicht in einem Verlag publiziert sind – einzureichen und archivieren zu lassen. Im Laufe der Zeit sind insgesamt etwa 1.900 Werke in dieses Archiv gelangt, die einen Spiegel zeitgenössischen Komponierens darstellen. Regelmäßig werden ausgewählte Werke daraus in Konzerten vorgestellt.
Für die Szene der Neuen Musik gilt die Musikwerkstatt (neben dem Münchner Archiv des DTKV) innerhalb Deutschlands inzwischen als eine zentrale Institution.

 

Der von der Siegburger Musikschule durchgeführte Kompositionswettbewerb der Kreisstadt Siegburg zählt international zu einem der renommiertesten Preise für zeitgenössische Musik. Musikschule und Musikwerkstatt organisieren und bestreiten zudem die Konzertreihen „Humperdinck Musikfest“, „Kammermusiktage“ und „Tage der Musikwerkstatt“. Nicht zu vergessen: Das Musikschulorchester „Junge Symphonie Siegburg“, das mit seiner hohen Qualität einen festen Platz in der lokalen Musiklandschaft hat.
Und natürlich die Band „Baroque in Blue“, die sich aus Lehrern der Musikschule zusammensetzt und unter anderem bei der Open-Air Veranstaltungsreihe „Mittwochs live“ zeigt, dass Jazz und Rock kein Tabu, sondern – ganz im Gegenteil – ein Teil des vielseitigen Musikspektrums  der Musikschule sind.

 

Musikalisches  www.engelbert-humperdinck-musikschule.de

 

 

Engelbert-Humperdinck-Musikschule

Humperdinckstr. 27

 

 

 

v.l. Foto 2,3,4®Stadt Siegburg

 

 

KERAMIKMARKT

 

Alte Kunst zeitgenössisch und modern

Siegburger Keramikmarkt überzeugt mit hoher Qualität 

 

Seit 2014 hat der traditionelle Keramikmarkt in Siegburg einen deutlichen Aufschwung erfahren, und der Stellenwert der Keramik in der historischen Töpferstadt Siegburg wächst dadurch immer weiter. Besucher und Sammler schätzen das hohe Niveau und reisen gezielt an. Zu verdanken ist diese Qualitätssteigerung der Zusammenarbeit von Verwaltung und dem Künstlerehepaar Ines und Christoph Hasenberg. 

So sind auch in diesem Jahr wieder nur professionelle Keramiker, insgesamt 70, zugelassen, keine Hobbytöpfer und Händler. „Die Qualität des Marktes bestimmt, welches Publikum kommt“, hat Ines Hasenberg dem Stadtverführer gegenüber erklärt. 

Dieses Jahr findet der Markt erstmals an zwei Tagen statt. Daher rechnet man nicht nur mit – mehr – Besuchern aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland, sondern es konnten auch Keramiker aus mehreren europäischen Ländern wie Slowenien, Frankreich oder England als Aussteller gewonnen werden. Die zeigen moderne Unikatkeramik, individuelle und serielle Gebrauchskeramik, feines Porzellan und hochwertigen Schmuck sowie künstlerische Objekte. Ines und Christoph Hasenberg selbst fertigen seit 1997 zeitgenössische und  keramische Kunst, angewandt und frei, auch als Artefakte im Bereich der keramischen Kunst und Malerei in ihrer Werkstatt mit Galerie auf der Kaiserstraße.

 

Im Wechsel mit dem Siegburger Keramikpreis (erstmalig 2015 vergeben) wird in der Wechselausstellung des Stadtmuseums eine zeitgenössische Ausstellung künstlerischer Keramik gezeigt. In diesem Jahr lautet das Thema „Rheinische Keramik – zeitgenössisch“. Werkstätten und Ateliers, die im historischen Gebiet der „Rheinischen Keramik“ ansässig sind, stellen Arbeiten zum Thema „Das autonome Gefäß, keramische Plastik und Installation“ vor. Autor und Kurator dieser Ausstellung ist Christoph Hasenberg. Die Ausstellungseröffnung findet am 6. Juli um 19:30 Uhr im Stadtmuseum statt. 

 

Keramikmarkt 2018: 

7. und 8. Juli 2018, jeweils 10:30 Uhr bis 18 Uhr

 

 

 

 

 

 

 

 

SIEGBURGS TÖPFERKUNST

 

Siegburger Keramik

Bis zum 17ten Jahrhundert europaweiter Exportschlager

 

Töpfer sind in Siegburg seit der Stadtgründung nachgewiesen. Die reichen Tonvorkommen im Stadtgebiet und der näheren Umgebung lockte sie magisch an. Denn damals zog der Handwerker zum Arbeitsmaterial, der Transport von Rohton zu entfernt liegenden Arbeitsstätten war undenkbar. Die ersten Töpfer arbeiteten am Lendersberg in Kaldauen und in der Nähe des Uhlrather Hofes auf dem Brückberg. Doch schon bald zogen sie mit ihren Werkstätten in eine eigene Vorstadt, die sich längs der heute noch nach ihren Produkten benannten Straße erstreckte: die Aulgasse, umgangssprachlich von lateinisch ola = der Topf. Dort befanden sich auch die in der Renaissance so geschätzten weißen Tonvorkommen, wie ein weiterer Straßenname, die Dokaule = Tonkuhle/-grube, belegt.

Die Produkte aus der Anfangszeit ähneln in Form und Gestalt der Gebrauchskeramik, wie sie im gesamten Rheinland damals hergestellt wurde. Einfache, lediglich durch Rillen verzierte, dunkle Gefäße dienten zum Kochen und als Geschirr.

Erst in der Spätgotik tauchen Gefäße mit eigenständigen Verzierungen auf. Es wurden zum Beispiel doppelwandige kleine Krüge gedreht, deren Außenwand kunstvoll mit gotischen Fischblasen-Mustern durchbrochen wurde und die im Inneren ein kleines, nicht durchbrochenes Gefäß zur Aufbewahrung einer Flüssigkeit enthielten. Doch erst mit der Einführung einer völlig neuen Technik begann eine Entwicklung hin zu höchster Kunstfertigkeit, die Beachtung in ganz Europa fand.

Die Töpfer arbeiteten mit Fußdrehscheiben, deren Achse in der Erde versenkt und durch eine Lage großer Steine befestigt und verankert war. In einem ersten Arbeitsschritt wurde das zu verzierende Gefäß, eine Schnelle, ein Trichterkrug oder auch eine Pulle gedreht und dann zum Trocknen gestellt. War das Gefäß nach ein bis zwei Tagen „lederhart“ abgetrocknet, konnte es zum Dekorieren weiter bearbeitet werden. Der Töpfer nahm ein Modell und drückte und strich die gesamte Bildseite mit einer dünnen Tonschicht ab. Da diese Modelle ebenfalls aus Ton hergestellt, aber nur leicht gebrannt waren und damit Wasser aufnehmen konnten, sog die Form aus dem frischen Ton die gesamte Feuchtigkeit weg und der Töpfer konnte das Bild als dünne Tonplatte leicht aus der „Matrize“ heraus klopfen oder abziehen. Im nächsten Arbeitsschritt wurde auf dem gedrehten, getrockneten Topf die zu verzierende Stelle mit dünnflüssig angerührtem Ton (Tonschlicker) eingestrichen. Der Topf sog die Feuchtigkeit umgehend auf und diesen Moment nutzt der Töpfer und drückte seine Tonverzierung auf den Topf. Diese Arbeit musste schnell und gleichmäßig erfolgen, sonst platzte die Verzierung beim Brennvorgang ab. Anschließen wurden die Ränder der Bildauflage noch verstrichen und geglättet.

Ein mit Auflagen, also Tonbildern, verziertes Gefäß bedeutete mindestens zwei Arbeitsgänge, rechnet man das Anbringen der Henkel, was direkt im Anschluss an das Drehen geschah, nicht als separaten Arbeitsgang hinzu. Insgesamt war die ganze Prozedur wesentlich aufwendigerer als das Drehen einer unverzierten Gebrauchskeramik und deshalb in den Zunftbriefen auch als „Herrenwerk“ benannt.

Da gab es ornamentale Bandverzierungen, beliebt bei Pullen und Schnabelkannen, meist kombiniert mit separat aufgelegten Bildmotiven. Bei diesen waren biblische Themen ebenso beliebt wie Bilder aus der Antike, Wappen fertigte man auf Bestellung. Zusätzlich wurden die Bilder gerne mit aufwendigem Rankenwerk umgeben und machten jedes Gefäß zu einem künstlerischen Unikat.

Diese reich verzierte, sogenannte „weiße Ware“ erfreut sich seit dem 19ten Jahrhundert der Beliebtheit bei Sammlern, da sie vom hohen handwerklichen Können und künstlerischem Gestalten der Siegburger Töpfer in der zweiten Hälfte des 16ten, zu Beginn des 17ten Jahrhunderts zeugen.

 

Neugierig geworden?
Dann viel Spaß in der „Keramikabteilung“ des Museums im Kulturhaus. Da sind nämlich unzählige der Prachtexemplare zu bewundern.

 

 

 

TÖPFERMEISTER ILJA FRENZEL

 

Wahrung der Tradition

Ein Leben mit Keramik

 

Die Töpferei ist seine Leidenschaft, Keramik, also gebrannter Ton, fasziniert ihn seit frühester Kindheit. Ilja Frenzel lernte das Töpferhandwerk in der Siegburger Töpferei von der Pike auf, im niederbayerischen Landshut machte er die Meisterprüfung und den Abschluss zum staatlich geprüften Keramikgestalter. Ihm macht es Spaß, so authentisch wie möglich Mittelalterkeramik herzustellen. Becher, Krüge, Kugeltöpfe und viele andere Gefäße, immer nach historischem Vorbild. Da er einige originale Fundstücke besitzt, legt er besonderen Wert auf Details, an denen er studieren kann, wie die alten Meister gearbeitet haben.
Dem Töpfer kam für seine authentische Arbeit ein unglaublicher Zufall zugute. Denn beim Aushub einer Baugrube am oberen Markt fand man genau den weißen Ton, der die Stadt und ihre Töpferwaren einst berühmt machte, weil nur er die hohen Temperaturen von rund 1250° Celsius aushalten kann, die zum Brennen des hochwertigen Steinzeugs nötig sind. Neben der Herstellung von Repliken des berühmten Siegburger Steinzeugs, das sich durch orange-rote Flammspuren und sogenannte Ascheanflugglasuren auszeichnet, ist Frenzel noch auf weitere hochwertige Nachbildungen spezialisiert, die höchstes handwerkliches Können erfordern: Aquamanile. Das sind Handwaschgefäße, wie sie vor allem im 13. Jahrhundert bei der Bürgerschaft beliebt waren. Die wurden eigentlich aus Bronze gefertigt und waren deshalb nur für den Adel erschwinglich. Also ließen die etwas weniger Betuchten Aquamanilen aus Bronze in Ton nachbilden. In dieser Tradition arbeitet Frenzel ebenfalls. Wie schwierig das ist, beschreibt
Frenzel so: „Ist die Aquamanile im Ofen heil geblieben, ist das jedes Mal ein Grund zur Freude.“
Mitfreuen kann sich jeder, der ebenfalls ein Faible für besondere Keramik hat. Denn im Museum des Kulturhauses können die Unikate erworben werden.

 

 

Ilja Frenzel und Kushi Grazzini

Mucherstraße 31

Ruppichteroth

 

Töpferkunst www.ilja-frenzel.de

 

 

 

 

 

 

 

 

ATELIER & GALERIE JÜRGEN SCHMITZ

 

 

Rheinische Landschaften

Magisch, surreal und kraftvoll

 

 

 

Atelier und Galerie des gebürtigen Siegburgers in der Ringstraße sind ein Muss für jeden, der an Schönem interessiert ist. Da muss man kein ausgewiesener Kunstkenner sein, die Bilder von Jürgen Schmitz weder deuten noch hinterfragen, die sprechen für sich. Wir waren da und konnten uns vom Anblick der Arbeiten kaum trennen. Da man viele Bilder aus der Realität kennt, ist ein Rundgang durch die Räume, die voll mit Schmitz´ Werken hängen, so spannend. Landschaften zwischen Siegburg, Sankt Augustin, Troisdorf und Niederkassel sind häufige Motive des 64-Jährigen, der an der staatlichen Kunstakademie Düsseldorf studiert hat und seit 1982 als freischaffender Maler in Siegburg tätig ist. Bei anderen Bildern meint man aber auch nur, die Orte zu kennen, denn manchmal malt der Künstler auch Fantasielandschaften.


Mit einer unglaublichen Akribie und technisch perfekt umgesetzt – wie Fotografien. Aber nicht eins seiner Bilder macht auch nur im Entferntesten den Eindruck eines Postkartenmotivs. Da wir keine Experten sind, zitieren wir lieber den Kunstwissenschaftler Prof. Dr. Frank Günter Zehnder. Der hat über Schmitz geschrieben: „Der rheinische Maler Jürgen Schmitz ist ambitionierter Landschaftsmaler und Vertreter eines besonderen zeitgenössischen Realismus. Ohne jeden Anklang an die übliche Idyllen- und Heimatmalerei widmet er sich vor allem der Darstellung des Rheins sowie der Städte und angrenzenden Landschaften dieser großen Region. Obgleich sich in seinem bisherigen Werk auch eindrucksvolle Panoramen aus anderen Ländern wie z. B. Irland und zu weiteren Großstädten wie beispielsweise Frankfurt/M. finden, gilt seine malerische Leidenschaft doch zweifellos dem Rheinland.“ Es gehe dem Maler nicht um eine möglichst genaue Abbildung der Realität, sagt der Fachmann „sondern um unterschiedliche Akzente und Bildwirkungen. Denn in seinen Gemälden tragen sowohl die Weitblicke als auch die Ausschnitte aus Landschaft, Stadt und Industrie neben allem Verismus einen magischen oder surrealen, einen verfremdenden oder verführerischen Charakter. Häufig liegt ein Hauch von gefährdeter Schönheit und latenten Brüchen in seinen Bildaussagen. Dabei spielen ein hoher Himmel und ein tiefer Horizont, stimmige Farbtöne und eine eigenwillige Lichtführung wichtige Rollen. Der autonome Stil, der zugleich kraftvoll und sensibel ist, leistet einen wichtigen Beitrag zur aktuellen realistischen Malerei.

 

Die stillen Gemälde verbinden Beobachtung mit Erfindung. So fügen sie Landschaft und Himmel aus verschiedenen Beobachtungssituationen zueinander und sind damit subjektiv entwickelte Kompositionen. Sie setzen auf eigenwillige Weise die lange Tradition der sogenannten idealen Landschaft mit einem modernen Verständnis von Wahrnehmung und Interpretation fort. Die Bildwelten von Jürgen Schmitz bergen Entdeckung und Erinnerung, Vision und Versenkung.“


Damit ist wirklich alles gesagt. Wer nicht alles verstanden hat, wird nach einem Besuch beim Künstler genau wissen,
was gemeint ist. Denn was der Professor in Worte gefasst hat, ist genau das, was man bei den Bildern empfindet.
Seit 1980 hat Jürgen Schmitz seine Arbeiten bei zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert, war auf den internationalen Kunstmärkten in Köln und Düsseldorf, dem Kunstmarkt Göttingen, auf der Großen Düsseldorfer Kunstausstellung
und der Art Basel vertreten. Außerdem hängen seine Bilder unter anderem in Museen, in Ministerien und im Bundeskanzleramt.


Und vielleicht ja auch bald bei dir.

 

 

Die Galerie hat keine feste Öffnungszeiten, bitte vereinbare einen Termin –
telefonisch unter 02241-52764 oder per E-Mail unter kunst@juergen-schmitz.com

 

Atelier & Galerie Jürgen Schmitz

Ringstraße 2

53721 Siegburg

 

 

Ausstellungstermine www.juergen-schmitz.com

 

 

 

 

STUDIOBÜHNE

Emotionale Achterbahnfahrt

Wo Realität und Kopfkino verschmelzen

 

„Licht aus, Spot an“ lautete die legendäre Ansage von Ilja Richter, mit der er seine Show „Disco“ zwischen 1971 und 1982 jedes Mal eröffnete. In der Studiobühne ist es ähnlich. Da gibt zwar niemand dieses Kommando, was auch ziemlich albern wäre, aber genauso funktioniert es da. Sobald du auf einem der roten ehemaligen Kinosessel Platz genommen hast, hebt sich kein Vorhang, sondern die Scheinwerfer gehen an und die Post ab.

Fast auf Tuchfühlung und oft im direkten Blickkontakt mit den Schauspielern wird jeder einzelne Besucher förmlich in die Handlung hineingezogen, die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerrang verschwimmt, und man ist mittendrin im Geschehen. Das Publikum leidet, amüsiert sich, lacht und fühlt mit. Hautnah mit den Darstellern. Es erlebt eine Achterbahnfahrt der Gefühle, Hochleistungssport für Geist und Seele. Beeindruckender, stimmungsgeladener und fesselnder kann Theater nicht sein. Mal provokant, mal schräg, mal saukomisch, mal tief berührend. Und vor allem: Immer inspirierend. Ein mit Herzblut aufgeladenes Flair, Individualität und Liebe zum Detail sind die Markenzeichen des kleinen Zimmertheaters mit den ganz großen Inszenierungen.

Reines „Bespaßen“ und oberflächlicher Konsum des Publikums sind nicht die Intention der Studiobühne. Sie produziert Bilder mit Nachhaltigkeit, will zum Nachdenken und zur kritischen Auseinandersetzung anregen, andererseits beste Unterhaltung zur Entspannung bieten. Das ist ja kein Widerspruch.
Mit jährlich vier bis sechs Premieren und einem faszinierenden und abwechslungsreichen Programm ist die Studiobühne eine nicht mehr wegzudenkende Kulturstätte für den gesamten Rhein-Sieg-Kreis geworden. Auf dem Spielplan steht eine attraktive Mischung von Boulevardkomödie über Kinder- und Jugendtheater bis hin zu Klassikern und gesellschaftspolitischen Stücken. Die Bühne wird von Profis, Studenten der dazu gehörigen Schauspielschule und im Rahmen der Erwachsenenbildung auch von Laien bespielt. Die von Kindern und Jugendlichen im angegliederten „Theater Tollhaus“ erarbeiteten Stücke kommen ebenfalls in der Studiobühne zur Aufführung und sind fester Programmpunkt im Spielplan.


Fehlt nur noch, dass zum Schluss jemand erscheint und dem Publikum wie weiland Hans Rosenthal bei der Quizsendung „Dalli, dalli“ zuruft: „Sie sind der Meinung, das war …“ und das gesamte Theater brüllt: „Spitze“. Das haben wir zum Glück noch nicht erlebt, tosenden Applaus nach einer Vorstellung
eigentlich immer. Zu Recht.

 

 

 

 

 

Studiobühne

Humperdinckstr. 27

53721 Siegburg

 

Spielplan & Infos www.theaterseite.de

 

 

 

 

 

®Stadtarchiv

 

Stadtgeschichte. 

 

Der Mühlengraben

Energielieferant, Transportweg und Badeanstalt

 

Der Mühlengraben, der heute ruhig vor sich hin plätschert, war von der Gründung der Stadt, Ende des 11. Jahrhunderts, bis ins 19. Jahrhundert Energielieferant für Siegburg. Kein Naturgewässer, sondern künstlich angelegt. Sein Wasser bezieht er aus der Sieg, zweigt oberhalb des Buisdorfer Wehrs aus dem Flusslauf ab, fließt dann durch das Stadtgebiet und mündet nach 4,6km vor der Brücke der B 56, unweit der Aggermündung  wieder in die Sieg zurück. 

Ausgerichtet wurde er nach den Bedürfnissen der im Wachsen befindlichen Stadt. Die umschloss den Mühlengraben im Laufe der Zeit mit ihren Bauten, bis heute wurde sein aus dem Mittelalter stammender Verlauf im Stadtgebiet nie mehr verändert.

Verschiedene Mühlen, die alle der Abtei gehörten, nutzten seine Wasserkraft: Die Mahlmühle zum Mahlen des Getreides, die Walkmühle, in der Tuche gewalkt wurden, die Lohmühle, in der Rinde (Lohe) gemahlen und für den Einsatz in Gerbereien nutzbar gemacht wurde, die Papiermühle,  in der Lumpen zu einem Hadernbrei für die Papierherstellung gestampft wurden, und schließlich die Ölmühle, in der verschiedene Körnerfrüchte zur Ölgewinnung ausgequetscht wurden. Nur die Mahlmühle stand innerhalb der Stadtmauer, alle übrigen lagen davor.

 

Der Mühlengraben spielte auch im Leben der Bürger eine wichtige Rolle. Hier holte man Wasser und wusch Wäsche, wurden aber auch die Gerbereierzeugnisse ausgewaschen und die Metzger kippten nicht mehr verwertbare Abfälle hinein. 

Später wurde der Mühlengraben sogar Transportweg.  An den Steinbrüchen der Wolsberge belud man flache Kähne mit den dort frisch gebrochenen „Wolsdorfer Brocken“ und schipperte sie in die Stadt, wo aus ihnen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts fast alle Steingebäude in Siegburg errichtet wurden. Die Floßlende lag oberhalb der Wehranlagen der Mühlen. Unterhalb wurden die Boote mit Material für den Kölner Markt beladen. Zum Beispiel Töpfereiprodukte aus der Aulgasse oder Tuche einer großen Tuchmacherzunft in Siegburg.

1819 gab es noch elf Schiffseigner, die „Möllejraven-Kapitäne“, die Transporte auf Mühlengraben und Sieg anboten. Die Bedeutung des Mühlengrabens als Transportweg für die Stadt zeigt auch das Bemühen des Siegburger Bürgermeisters aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts, als er versuchte, die preußische Regierung zum Ausbau des Mühlengrabens zu einem schiffbaren Kanal zu bewegen. Der Plan wurde nicht weiter verfolgt, da sich 1839/40 eine erste Industrieansiedlung für Siegburg ankündigte. Nämlich mit Christian Gottlieb Rolffs aus Köln, der ein neues, größeres Fabrikgelände suchte und in Siegburg auf dem Siegfeld (Gelände heutiges Siegwerk) vor den Toren der Stadt fand. Das Areal wurde vom Mühlengraben durchflossen, der das notwendige Wasser zum Betrieb seiner Baumwolldruckerei „Kattunfabrik Rolffs & Cie.“ lieferte.

Den Mühlengraben nutzte aber auch die Jugend zum Vergnügen. Der damalige Pfarrer von St. Servatius beklagte im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts in einem Schreiben an den Bürgermeister die Unsitte, dass vor allem Buben im Bereich des Mühlentorplatzes nackt im Mühlengraben plantschen und baden würden.

 

Damals suchte man in Siegburg nach einem Standort zum Bau einer Badeanstalt. Klar war, dass das Gelände am Mühlengraben und nicht an der noch uneingedeichten Sieg liegen musste, wo man ständig auftretende Schäden durch Hochwässer befürchtete.

1906 beschloss der Rat der Stadt, im Mühlengraben oberhalb der Kattunfabrik auf dem Siegfeld eine Badeanstalt einzurichten, die bis 1928 Bestand hatte. Mit dem Bau der Fabrikanlagen für die Bemberg, später Rheinische Zellwolle AG – Phrix wurde die Anlage abgerissen und der Platz überbaut. 

 

Inzwischen hatten sich die Verhältnisse am Mühlengraben grundlegend verändert. Bis auf die Mahlmühle waren alle Mühlen stillgelegt worden. An der Mahlmühle hatte man zwar das Wasserrad belassen, nutzte aber zur Energiegewinnung inzwischen eine Dampfmaschine.

Die Zeiten, in denen der Mühlengraben Lebensader der Stadt war, sind lange vorbei. Heute kann man an einigen Stellen an ihm entlang spazieren, an anderen verbirgt ihn das moderne Siegburg.

 

 

 

 

Foto/Repro: Holger Arndt

 

Stadtgeschichte. Fußgängerzone

 

Fußgängerzone statt Schwerlastverkehr

Dank Hartnäckigkeit seit 44 Jahren autofreie Innenstadt 

 

Wo wir heute an den Schaufenstern der Geschäfte in der Innenstadt vorbei flanieren, den Aufenthalt auf den Außenterrassen der Gastronomie rund um den Markt genießen und Kinder auf den Spielgeräten am Hühnermarkt toben, sah es vor 44 Jahren noch ganz anders aus. Stoßstange an Stoßstange quälte sich damals der Verkehr durch die Stadt, PKW, Lastkraftwagen und Busse verpesteten die Luft, und selbst eine Straßenbahn schlängelte sich an den engen Bürgersteigen entlang. Jede noch so kleine Nische wurde zum Parken, Be- und Entladen genutzt. Niemand wusste mehr, wer wen behindert. Die Fußgänger die Kraftfahrer oder umgekehrt. Am ehemaligen Hotel Reichenstein am oberen Markt, wo jetzt ein neues Gebäude mit einer  H&M-Filiale steht, fuhren in den Sommermonaten zusätzlich bis zu acht Busse täglich vor, die zum Teil vor der Tür, am Hühnermarkt oder vor „Stüssgen“, einem Lebensmitteldiscounter im heutigen Douglas, parkten. 

Erst mit der Sperrung des Marktes, am 2. August 1974, der Grundsteinlegung zur Fußgängerzone, die sich heute vom Bahnhof bis zur Ecke Johannesstraße/Kaiserstraße erstreckt, änderte sich das. Die Holzgasse sowie untere Kaiserstraße wurden zunächst ausgenommen, weil ein Geschäftsmann per einstweiliger Anordnung erwirkt hatte, dass die Zufahrten zu seinen Geschäften weiter als Zufahrt genutzt werden konnten, ist in den Erinnerungen von Rolf Krieger, ehrenamtlicher Bürgermeister von 1989 bis 1995 und dann bis zum Jahr 2004 hauptamtlicher Verwaltungschef, nachzulesen. 

Klar war, dass die Innenstadt vom Verkehr entlastet werden musste, um einen Kollaps zu verhindern. Die Vorstellungen über das Wie gingen allerdings weit auseinander. Kreisverwaltung und Landesstraßenbauamt verfolgten bereits in den 1960er Jahren Pläne, den Durchgangs- und Schwerlastverkehr quer durch die Innenstadt zu führen. Ziel war es, den Verkehrsfluss in unmittelbarer Zentrumsnähe zu beschleunigen. 

So sollte unter anderem eine Autotrasse von der „Goldenen Ecke“ durch die Holzgasse bis zum heutigen „Tuscolo“ und von dort in einem vierspurigen Fahrbahnschwenk zur Johannesstraße für Entlastung sorgen. 

 

Krieger, damals Planungsausschussvorsitzender im Rat, sowie eine kleine Gruppe Gleichgesinnter der Jungen Union und CDU, hatten etwas Anderes im Sinn. Sie beabsichtigten, den Autoverkehr nicht zu beschleunigen, sondern ganz aus dem Zentrum fernzuhalten. Dazu wollte man mit den Straßen um den Stadtkern herum eine Art inneren Ring zur Entlastung und dadurch die Voraussetzung für eine autofreie Innenstadt schaffen. 

Mit diesem Vorhaben stieß man zunächst auf wenig Gegenliebe. Krieger kam die zündende Idee, zu prüfen, ob das Verkehrsaufkommen wirklich so hoch war wie angenommen und zählte während der „Rushhour“ die Autos. Mit dem verblüffenden Ergebnis, dass sich nicht einmal 40 Fahrzeuge pro zehn Minuten bewegten, konfrontierte er den damaligen Oberkreisdirektor Paul Kieras, um ihn von der Fußgängerzone zu überzeugen. Der reagierte laut Krieger mit hochrotem Kopf und „einem lauten Redeschwall“. Seine Fachleute hätten festgestellt, dass die Verkehrsführung durch die Innenstadt alternativlos sei und es keine andere Möglichkeit gebe. „Basta!“ Die Zahlen Kriegers müssen ihn dann doch überzeugt haben. „In Siegburg die Fußgängerzone, drei Monate zur Probe“, soll er gesagt haben. 

 

Unumstritten waren die Pläne der Verfechter einer Fußgängerzone auch bei den Geschäftsleuten nicht. Einige von ihnen sammelten nach dem Autoverbot Unterschriften, andere wollten erst einmal abwarten. Viele Leute schimpften zwar über längere Wege, aber einen Kundenrückgang konnten die Geschäfte nicht verzeichnen. Als die Marktseite vor der Servatiuskirche anfangs noch zum Parken freigegeben war, stellten Gäste des Hotels Reichenstein ihr Fahrzeug auch schon einmal in der zweiten Reihe ab. Wenn sie das nicht vor sechs Uhr morgens weggesetzt hatten, war ihr Auto mit Obst- und Gemüseständen umstellt. Das kann heute natürlich nicht mehr passieren.

Was wäre wohl ohne die „Revoluzzer“ um Rolf Krieger aus Siegburg geworden? Man mag es sich gar nicht vorstellen.

 

 

 

 

Stadtgeschichte. Pranger

 

An den Pranger mit ihm. Aber auch mit ihr.

Für Trunkenbolde und Klatschweiber

 

Jeder kennt die steinerne Figur mit den Ketten an der Seite, die am Hühnermarkt steht. Es handelt sich dabei um den Pranger. An dem seien im Mittelalter Verbrecher hingerichtet oder sogar Hexen verbrannt worden, meinen viele. Wir haben bei Stadtarchivarin Dr. Andrea Korte-Böger nachgefragt, ob das stimmt und sie hat das Rätsel für uns gelöst.

Nach ihren Worten wurden an einem Pranger, egal in welcher Region oder zu welcher Zeit, nie Hinrichtungen vollzogen. Die geschahen – auch in Siegburg – an der Richtstätte, und die lag immer außerhalb einer Stadt. „Kein Blut in den Stadtmauern“ war die Devise, denn das brachte Unheil. So musste auch der Henker als „unrein“ außerhalb der Stadt wohnen. Sein Handwerk gehörte zu den unehrlichen Berufen. In Siegburg wohnte der Henker laut schriftlicher Überlieferung in der Nähe der Richtstätte, an der Schlade auf dem Brückberg.

Hinrichtungen fanden also nicht am Pranger statt, wohl aber wurden die zum Tode Verurteilten auf dem Weg zur Richtstätte dorthin geführt, hier wurde das Urteil nochmals laut verlesen und dann ging es weiter, zum Grimmelstor hinaus auf den Brückberg zum häufig volksfestartigen Spektakel der Vollstreckung.

 

Die ältesten schriftlichen Belege für den Gebrauch des Prangers als Strafort stammen aus der Zeit um 1200, denn für die so genannte Öffentlichkeitsstrafe war ein ausgebildetes Gemeinwesen Voraussetzung, um der Strafe des Am-Pranger-Stehens Sinn zu geben. Bis zur Jahrhundertwende des 13. Jahrhunderts hatten sich überall Kirchen-, Dorf- oder Stadtgemeinden ausgebildet und bedurften Regularien des Zusammenlebens. Abgeschafft wurden die Schandpfähle in allen deutschen Gebieten spätestens in den Jahren 1848/49.

Angeprangert wurden Vergehen gegen die Ehre wie Verleumdung und üble Nachrede; Angriffe auf ein friedliches Zusammenleben, also Gezänk, Gelärme, Schlägereien, aber auch das Tragen und Zurschaustellen dem Stand nicht angemessener Bekleidungs- und Schmuckstücke; Taten, die sich gegen das Marktgeschehen und den Handel richteten: Hehlerei, das Benutzen falscher Maße und Gewichte. Kurz alles, was Ärger, Unruhe und Unfrieden in den Lebensalltag einer dicht besiedelten mittelalterlichen Stadt brachte. 

Die Pranger standen immer an öffentlichen Orten, auf dem Markt, am Rathaus, an der Kirche oder im Dorf neben der Gerichtslinde. Die Ausstellung des Übeltäters diente der Abschreckung, besonders aber seiner Verächtlichmachung. Angekettet an Hals und Armen, eventuell noch verschärft durch weitere Schandattribute wie Schandmaske, Schandhemd oder -laken, brachte die Prangerstrafe auf jeden Fall eine Minderung des sozialen Ansehens und der Ehre mit sich. 

Das Volk durfte sich über den „Bösewicht“ oder „die lausige Hure“ auch noch lustig machen. Spottgesänge, Umtanzen mit Grimassenschneiden und Verrenkungen, Bespucken, auch Bewerfen mit dem auf den Straßen und Plätzen reichlich vorhandenen Unrat und Kot waren erlaubt und wurden liebend gerne und quasi als Ventil für das ansonsten geforderte, überaus disziplinierte Zusammenleben genutzt. Verboten war aber das Zufügen von Verletzungen, das Angreifen und Anfassen des Verurteilten.

Ursprünglich gab es wohl einen hölzernen „Käx“, eine einfache Stehle, die im ausgehenden 16. Jahrhundert durch einen steinernen Pranger in Form einer vereinfachten menschlichen Figur mit grimmigem Gesicht ersetzt wurde. 

Laut Heimatforscher Johann Baptist Dornbusch im Jahr 1871 hat es zu historischen Zeiten in Siegburg einen Schandpfahl gegeben, an dessen oberen Ende ein Menschenkopf eingemeißelt war, der jetzt aber fehlen würde, dass stattdessen die Säule durch eine große Platte abgeschlossen werde und im Park der Schützenburg stehe. Dort überstand er den Zweiten Weltkrieg und fand nach Restaurationsarbeiten und dem Erhalt eines neuen Kopfes bis in die 1970er Jahre einen neuen Standort an der vermuteten historischen Stelle auf dem Markt. 

Dann wurde er aus konservatorischen Gründen erst ins Rathaus, mit der Eröffnung des Stadtmuseums 1990 dann dort im Kellergewölbe ausgestellt. Auf dem Markt steht heute noch eine Kopie.

 

 

 

 

 

 

Stadtgeschichte. Abtei Michaelsberg

 

Trotz Krieg, Zerstörung und Vertreibung

Siegburgs Wahrzeichen lebt

 

Als die letzten Benediktiner 2011 den Michaelsberg verließen, schien auch das Ende des Klosters mit dem Wahrzeichen der Stadt, der heutigen Kirche
St. Michael, und der Abtei als geistliches Zentrum gekommen. Wie schon mehrmals zuvor in der jahrhundertelangen Geschichte. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss wurde 1803 die Anordnung Napoleons zur Aufhebung der Klöster umgesetzt und auch in Siegburg die Säkularisation vollzogen. 739 Jahre nach Gründung des Klosters im Jahr 1064 durch den Kölner Erzbischof Anno. Abt Johann Speyart von Woerden und seine Mitbrüder wurden fortgeschickt. 

Die Abteigebäude nutzte man zunächst als Kaserne, 1818 als Irrenheilanstalt und von 1878 an als Zuchthaus. 1914 zog erneut ein Benediktinerorden, Mönche aus dem niederländischen Merkelbeeck, dort ein. Einen erneuten Rückschlag gab es für den Konvent, als der Orden am 6. Mai 1941 durch die Gestapo gezwungen wurde, das Haus zu verlassen und erst nach dem Einmarsch der alliierten Truppen zurückkehren konnte. Während in der Stadt Siegburg 35 Prozent der Häuser im Krieg zerstört worden waren, lag die Abtei zu
80 Prozent in Schutt und Asche. 1947 stand die Klostergemeinschaft der Benediktiner vor der Wahl, sich eine neue Heimat zu suchen. Die Mönche beschlossen, zu bleiben. Der damalige Abt Ildefons Schulte-Strathaus wird in einem Zeitungsbericht zitiert: „Wir entschieden uns für den Aufbau und schöpften Mut nicht zuletzt aus dem Wissen, dass unsere Brüder auf dem weltbekannten Monte Cassino trotz noch stärkerer Zerstörung ebenfalls diesen Mut aufbringen“. 

Unterstützung beim Wiederaufbau erhielten die Mönche vom 1948 gegründeten und bis heute noch sehr aktiven Verein der Freunde und Förderer des Michaelsberges. Es gab einiges zu tun. So berichtete die damals als einzige Tageszeitung erscheinende Kölnische Rundschau in ihrem Heimatteil Siegkreis: „Das ganze Dach der Gebäulichkeiten, große Teile des Nord- und Ostflügels und der Nebengebäude, die prachtvolle Kirche mit Ausnahme des Turmes und der Chorrundung fielen dem Krieg zum Opfer. Der kunstvolle St.-Benedikt-Altar wurde noch in den letzten Tagen des Krieges zertrümmert.“ 

Ihre Zuversicht und den Optimismus hatten die Mönche und Siegburger Bürger nie verloren. So feierte man im Juli 1947 in der Kirchenruine gemeinsam gleich acht Tage lang den 1400. Geburtstag des Ordensgründers Benedikt. Ungewissheit herrschte lange, was nach dem Abschied der Benediktiner werden sollte. Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner machte die Zukunft der ehemaligen Abtei zur Chefsache. Zunächst holte er sechs Mönche vom Orden der Unbeschuhten Karmeliter auf den Berg, die dort 2013 im ehemaligen Jugendgästehaus der Benediktiner ihren Karmel bezogen und sorgte so dafür, dass die lange Tradition des monastischen Lebens in der Abtei fortgeführt werden kann. 

Dann nahm er den Siegburgern mit einem Paukenschlag alle Sorgen. Denn auch die Ansiedlung des Katholisch-Sozialen Institutes (KSI) geht auf sein Engagement zurück, „durch das er die Bedeutung des Siegburger Wahrzeichens als „Leuchtturm des Glaubens“ für Siegburg, die Region und das gesamte Erzbistum Köln maßgeblich geprägt hat“, wie es auf der Homepage des KSI heißt.

Noch mehr spannenden und fundierten „Geschichtsunterricht“ bieten die „Siegburger Blätter“.

Erhältlich im Museums-Shop.

 

 

 

 

 

SCHATZKAMMER ST. SERVATIUS

 

 

Integrierter Teil der Kirche

Lebendiger Ort und kein Museum

 

 

Den Grundstock des Kirchenschatzes legte der Kölner Erzbischof Anno II. (amt. 1056–1075), indem er dem von ihm gegründeten Kloster St. Michael zahlreiche bedeutende Reliquien schenkte. Seine Gebeine wurden mit seiner Heiligsprechung im Jahre 1183 selbst Teil des Schatzes und fortan im prachtvollen Annoschrein aufbewahrt. Gleichzeitig wurden weitere Schreine und Reliquiare in Auftrag gegeben. Nach aufwendigen Renovierungs- und Sanierungsmaßnahmen konnte die Servatiuskirche im September letzten Jahres  wieder eröffnet werden, jetzt wird noch mit Hochdruck an der Fertigstellung der Schatzkammer gearbeitet, die völlig umgebaut, modernisiert und auf die komplette Südempore ausgeweitet wurde. Lediglich durch ein Gitter abgesperrt, fällt zukünftig der Blick dort auf den Anno-Schrein sowie auf den Mauritius-, Benignus und Honoratus-Schrein. Der Appolinaris-Schrein findet nach der Restaurierung im Hochaltar seinen Platz. Der Benignus-Schrein wird ebenfalls erst nach seiner Konservierung, voraussichtlich ab Oktober, in St. Servatius zu sehen sein.

 

Bereits 1994 wurde mit der Restaurierung der insgesamt fünf Schreine begonnen. In der neu gestalteten und erweiterten Schatzkammer können demnächst insgesamt 72 Exponate, die zum Teil in Schubladen versteckt lagerten, hinter Glas besichtigt werden. Der Schatz ist deshalb so bedeutend, weil die einzelnen Stücke des ehemaligen Benediktiner-Abteischatzes an einem Ort erhalten geblieben und nicht während der Säkularisierung über verschiedene Standorte verstreut worden sind. Zu den wertvollsten Exponaten zählt der so genannte Löwenstoff aus dem vierten Jahrhundert. Den brachte die byzantinische Prinzessin Theophanu aus Anlass ihrer Vermählung mit Kaiser Otto II. im Jahre 972 mit in die Ehe. Später hat man den Stoff im Annoschrein entdeckt. In ihm waren die Knochen des Heiligen eingewickelt. Am 18. September wird die Schatzkammer offiziell mit einem Festgottesdienst eingeweiht. Der findet allerdings nicht in der Servatiuskirche, sondern in der ehemaligen Abteikirche auf dem Michaelsberg statt.

 

Denn am 22. September vor genau 950 Jahren wurde die geweiht. In einer Prozession ziehen die Gläubigen dann zur Servatiuskirche. Außerdem wird ein attraktives Rahmenprogramm mit Vorträgen, einem Symposium, Kabarett, einer Ausstellung sowie Konzerten geboten.


Wir meinen: Der Besuch der Schatzkammer ist für alle Siegburger, aber auch Kunstinteressierte aus der Umgebung absolut empfehlenswert. Nicht nur Gläubige werden bei seinem Anblick ein wenig ehrfürchtig.

 

ST. SERVATIUS

Kirchplatz

 

 

 

 

 

 

ZEUGHAUS

 

 

Engelbert Humperdinck Musikschule und Musikwerkstatt

Was sich hinter dicken Mauern so alles verbirgt

 

 

Mit einem einzigen Gebäude in die Geschichte eingehen – Siegburg hat es fast geschafft. Mit seinem Zeughaus in der gleichnamigen Straße Nummer 5, in dem heute die Musikschule und die Engelbert Humperdinck Musikwerkstatt beheimatet sind. Denn während der Europäischen Revolution 1848/1849 fand der sogenannte Sturm auf das Siegburger Zeughaus statt, der von Bonn ausging.


Am 10. Mai 1849, angeführt vom damaligen Student und Präsident des neugegründeten demokratischen Studentenvereins in Bonn Carl Schurz (der es später sogar unter Präsident Rutherford B. Hayes zum Innenminister in Amerika schaffte) und seinem Professor Gottfried Kinkel. In der Kreisstadt wollten sich die Revoluzzer mit Waffen eindecken. Bis in die Kaplaneigasse – wie die Zeughausstraße bis 1859 hieß – schafften sie es allerdings nicht. In Hangelar wurde der Zug gestoppt. Errichtet wurde das Zeughaus nach der Ernennung Siegburgs zur Kreisstadt des Siegkreises um das Jahr 1830 als Waffenlager der Bürgerwehr. Vermutlich seit Ende des Ersten Weltkriegs stand das Gebäude leer. 1927 erfolgte ein Umbau, im Erdgeschoss wurde das Zollamt untergebracht, im ersten und zweiten Obergeschoss sowie unter dem Dach entstanden Wohnungen. Nach einem erneuten Umbau und einer kompletten Sanierung zog schließlich 2004 die 1999 ins Leben gerufene Musikwerkstatt Engelbert Humperdinck ein.

 

Die Musikwerkstatt wurde im Rahmen des Bonn/Berlin-Gesetzes als Ausgleichsmaßnahme für die Region Bonn-Rhein-Sieg eingerichtet. Ihre Aufgaben bestehen unter anderem in der Erforschung und Aufarbeitung von Leben und Werk des in Siegburg geborenen Komponisten Engelbert Humperdinck, in der Nachwuchsförderung junger Komponisten durch Vergabe von Kompositionsaufträgen, der Förderung von jungen hochbegabten Instrumentalisten durch Konzertmöglichkeit und professionelle CD-Aufnahme, in der Unterstützung von Schul- und Bandprojekten, unter anderem mit der Möglichkeit professioneller CD-Aufnahmen. Außerdem bietet sie Interpretations- und Kompositionsworkshops.


Bundesweite Bekanntheit hat die Musikwerkstatt mit Hilfe der Engelbert-Humperdinck-Stiftung erlangt. Die hat sich die Förderung von Kunst und Kultur in der Region Bonn-Rhein-Sieg zur Aufgabe gemacht. Insbesondere der Förderung zeitgenössischer Musik durch die Musikwerkstatt. Die Musikwerkstatt besitzt seit dem Jahr 2006 rund 2000 Kompositionen, die beim Manuskriptarchiv des Deutschen Tonkünstlerverbandes (DTKV) in München archiviert sind, als Duplikat. Es handelt sich durchweg um Werke von jungen Nachwuchskomponisten bis hin zu etablierten Kompositionsprofessoren an den Musikhochschulen, die bisher in keinem Verlag veröffentlicht wurden. In zwei Konzerten pro Jahr  werden ausgewählte Werke daraus der Öffentlichkeit vorgestellt. Von 2006 bis 2015 kamen 230 Kompositionen neu ins Archiv, in 33 Konzerten wurden 140 Kompositionen aufgeführt und oft sogar uraufgeführt, 23 Werke auf drei CDs eingespielt.

 

 

Also, wenn du auch etwas komponiert hast oder dein Kind zum Klavierunterricht anmelden möchtest. Eine bessere Adresse können wir nicht nennen.

 

Zeughausstraße 5

53721 Siegburg

 

 

 

 

 

 

BUCHHANDLUNG – GEBRÜDER REMMEL

 

Die ganze Welt der Literatur

und Kunst im Oberstübchen

 

 

 

Im Laufe der Jahre hat sich die Buchhandlung R² der Gebrüder Andreas und Paul Remmel im historischen Fachwerkhaus „Zum Tannenbaum“ zu einem kulturellen Begegnungsort entwickelt und unterscheidet sich mit ihrer Angebotsvielfalt deutlich vom auf den reinen Bücherverkauf konzentrierten Großhandel.
Neben einer umfangreichen Auswahl an Romanen, Biographien, Klassikern, Lyrik, Musikalien, Kunst und Fotokunst sowie einem modernen Antiquariat bietet sie ein eigenes Kultur- und Veranstaltungsprogramm mit Lesungen, Vorträgen, kleineren Ausstellungen, Versammlungen diverser Literatur- und Kunstkreise, Theater und Musikveranstaltungen. Ab 2017 organisieren Remmels auch „literarische Tagesausflüge“.
Jetzt haben die Inhaber noch eine kleine, aber feine Kunst- und Grafikabteilung im Oberstübchen der Buchhandlung eingerichtet und wir uns direkt einmal umgeschaut: Neben anderen ist ein Ständer für Künstler aus Siegburg und der näheren Umgebung reserviert. Die Bilder sind nämlich nicht wie bei einer Ausstellung gerahmt an Wänden aufgehängt, sondern in Ständern und auf Tischen ausgelegt. Das Ganze funktioniert so: Drei bis fünf Arbeiten werden für drei Monate gezeigt, dann ist „Schichtwechsel“: entweder tauschen die jeweiligen Künstler ihre Grafiken aus, oder Werke anderer Künstler finden den Weg in die Kunst-Krippen. Die Preise bestimmen die Künstler, nicht die Buchhandlung.
Die Stadtverführer wollten wissen, welche Voraussetzung erfüllt sein muss, um in die Grafikabteilung aufgenommen zu werden. Ganz einfach: Die Arbeiten müssen den Brüdern selbst gefallen, das war ´s auch schon. Seit dem Start im Februar sind Christine Lamade, Annette Preiß, Sibylle Schwarz, Zoe Toms, Katja Zander und Jürgen Oppermann-Vosteen mit ihren kleinformatigen Bildern vertreten.
Zurzeit überlegt das R², feste Termine anzubieten, an denen Interessenten mit den Künstlern vor Ort ins Gespräch kommen können. Das passt natürlich ideal in das Konzept des Hauses als Ort der Begegnung. Wenn es soweit ist, gibt es nähere Infos vom Stadverführer.
Alle Termine sowie Lesetipps finden sich natürlich auch auf der Homepage des R².

 

 

BUCHHANDLUNG R²

HOLGASSE 45

53721 SIEGBURG

 

 

Informationen www.bvb-remmel.de

 

 

 

 

 

 

Katholisch Soziales Institut

Ein Glücksfall für die Stadt

 

 

Alles läuft nach Plan bei den Umbauarbeiten in der ehemaligen Benediktinerabtei und im angeschlossenen Neubau des Katholisch Sozialen Instituts (KSI) auf dem Michaelsberg. Ende des Jahres kann der Umzug von Bad Honnef nach Siegburg erfolgen. Das „soft opening“, also die inoffizielle Eröffnung, für den Veranstaltungsbetrieb im Jahr 2016 ist nach jetzigem Stand der Dinge nicht gefährdet. Die offizielle Einweihungsfeier soll allerdings erst im Sommer 2017 stattfinden.

Aus einem ganz einfachen Grund: Dann ist das Wetter besser geeignet für eine große Party als in den Wintermonaten 2016/2017.


Der Fuß des Neubaus, in dem sich die Tiefgarage mit 100 Stellplätzen befindet wurde bereits mit Naturstein verkleidet. Darüber entstehen Räume für die Verwaltung, Tagungsräume und ein Café. Im ersten Obergeschoss, dem Mansardengeschoss sowie im Dachgeschoss werden Gästezimmer eingerichtet. Die Fenster sind eingesetzt, der Glaskubus, eine gläserne Brücke, die Neu- und Altbau verbindet, steht vor der Vollendung. Das moderne Tagungshaus verfügt über vier Konferenzsäle und 14 Seminarräume, 49 Einzel- und 72 Zweibettzimmer, ein Restaurant für 250 Personen und einen weiteren Speiseraum für 40 Personen.

Die Dachfläche des Neubaus wird begehbar sein, bietet eine Terrasse mit Gartenlandschaft und einem wunderbaren Blick über Siegburg bis hin zum Siebengebirge. Zurzeit läuft die Installation der Haustechnik in den Gebäuden.


Vom KSI profitiert die ganze Stadt. Mit rund 1 000 Veranstaltungen und etwa 20 000 Übernachtungen jährlich ist zu rechnen. Die Gäste werden dann natürlich auch die Stadt besuchen, dort Einkäufe tätigen, kulturelle Angebote wahrnehmen und die der Gastronomie nutzen. Kurz: Es wird noch lebendiger in Siegburg. Ganz abgesehen von der Bereicherung, die das KSI auf gesellschaftlichem und kulturellem Gebiet selbst darstellt. Denn zahlreiche Veranstaltungen werden öffentlich sein.
Schon heute ist das Interesse an dem 41 Millionen teuren Um- und Anbau zum Tagungshaus groß.

Täglich pilgern Neugierige auf den Berg und machen mit Handy und Kamera Fotos vom Fortschritt der Bauarbeiten.

 

Wie sagt der Bürgermeister immer so schön: „Gut für Siegburg.“ In Bezug auf das KSI sehen wir das genauso.

 

Informationen unter www.erzbistum-koeln.de